Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte, Reihe B: Darstellungen, Band 89

Mildner-Misz, Verena: Westdeutscher Protestantismus und Nahostkonflikt. Genese und Entwicklung einer theologisch-politischen Kontroverse (1967–1989)

Verena Mildner-Misz untersucht zum ersten Mal die Stimmvielfalt aus dem westdeutschen Protestantismus zum Nahostkonflikt im Zeitraum 1967 bis 1989. Auf der Grundlage umfangreicher archivalischer und bibliothekarischer Recherchen analysiert sie die politisch-theologischen Argumentationszusammenhänge protestantischer Verlautbarungen und ordnet diese in die gesellschaftlichen sowie kirchlich-theologischen Debatten ein. Die Untersuchung zeigt, dass der Nahostkonflikt häufig als Projektionsfläche theologischer Deutungsstreitigkeiten über die Themen Judentum und Staat Israel diente und die theologischen Differenzen wesentlich zur Polarisierung der Debatte im westdeutschen Protestantismus beitrugen.

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte, Reihe B: Darstellungen, Band 89

Spehr, Christopher / Lehmann, Roland M. (Hg.): Diskriminierung von Christen in der DDR, Bd. 2: Rosin, Maximilian: Totalverweigerer in den 1960er Jahren

Die von der SED forcierte Militarisierung der Gesellschaft der DDR kulminierte in der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1962. Allerdings verweigerten zahlreiche junge Männer sowohl die Ableistung des Grundwehrdienstes in der NVA als auch den 1964 eingeführten Bausoldatendienst. Maximilian Rosin geht u.a. den Fragen nach, aus welchen Motiven jene Totalverweigerer handelten, welche Maßnahmen der SED-Staat dagegen ergriff und inwieweit sie Netzwerke ausbildeten. Mittels archivalischer, statistischer und biografiegeschichtlicher Zugänge konnte das in staatlichen, kirchlichen und privaten Archiven erschlossene Quellenmaterial, zahlreiche Ego-Dokumente und eigens durchgeführte teilnarrative Zeitzeugeninterviews ausgewertet, eingeordnet und interpretiert werden. Somit legt der Autor zum einen erstmals eine Geschichte der Wehrdiensttotalverweigerer der 1960er Jahre vor und bietet zum anderen einen Beitrag zur Diskriminierung von Christen in der DDR am Beispiel der Totalverweigerer.

Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte 19 (2025)

Den Inhalt des neuesten Jahrgangs der „Mitteilungen“ können Sie hier herunterladen.

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte, Reihe B: Darstellungen, Band 95

Hermle, Siegfried / Pahl, Henning (Hg.): Medien des Kirchenkampfes

Die Freischaltung einer „Digitalen Bibliothek des Kirchenkampfes“ (www.kirchenkampf.info), in der mittlerweile über 15.000 Druckschriften zur Recherche bereitgestellt sind – darunter fast 3.000 im Volltext abrufbare Werke –, war Anlass, die Rolle der Medien in der Zeit des Kirchenkampfes möglichst umfassend in den Blick zu nehmen. Während die Protagonisten des auf verschiedenen Feldern geführten Kirchenkampfes sowie dessen „Hauptfronten“ als gut erforscht gelten können, fehlen weitgehend Untersuchungen zu den Medien, die in diesen Auseinandersetzungen eine zentrale Rolle spielten. Dieser Band präsentiert Ergebnisse einer Tagung, die der Bedeutung der Bereiche Presseorgane, Architektur, Kunst, Lieder, Glocken und vor allem des sogenannten Kleinschrifttums gewidmet war. Neben einer allgemeinen Einordnung des „Medienkampfes“ werden zudem rechtliche und ethische Überlegungen zur Nutzung einschlägiger Texte aus der nationalsozialistischen Zeit geboten. Die Beiträge bieten neue Perspektiven auf die innerprotestantischen Auseinandersetzungen während der NS-Diktatur und zeigen, wie das „braune Erbe“ bis heute eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft bleibt.

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen, Band 94

Meinefeld, Christian: Politik in der evangelischen Presse der Weimarer Republik. Positionen und Profile am Beispiel überregionaler und schleswig-holsteinischer Publikationen

Die evangelische Presse der Weimarer Republik war ein wichtiger Faktor in der politischen Meinungsbildung von Kirchenchristinnen und Kirchenchristen ihrer Zeit. Kirchenblätter sahen die politische Kommentierungstätigkeit als wichtigen Aspekt ihrer Aufgabe. So wurden, wie hier belegt werden kann, politische Prägungen evangelischer Milieus verstärkt. Die vorliegende Studie zeigt, wie zahlreich und vielfältig die politischen Themen waren, die thematisiert wurden. Weiterhin wird deutlich, dass die zahlenmäßig weit überlegenen konservativ-rechten Publikationen ihre Leserschaft mit einem autoritären Charakter beeinflussten, während liberale Blätter zwar die Demokratie zumeist stützten, die von den Nationalsozialisten ausgehende Gefahr aber unterschätzten – bis es zu spät war.

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen, Band 23

Fix, Karl-Heinz: Die Protokolle der Sitzungen des Bruderrats der Evangelischen Kirche in Deutschland 1945–1949

Seit August 1945 begleitete der Bruderrat die Entwicklung der Evangelischen Kirche in Deutschland aus der Position der „radikalen“ Bekennenden Kirche heraus. Er beanspruchte anfangs eine kirchenleitende Funktion und bemühte sich gegenüber den als restaurativ-konfessionell beurteilten kirchlichen Ordnungsvorstellungen um einen kirchlichen Neubeginn auf der Basis der Erkenntnisse des innerprotestantischen Kirchenkampfes, v. a. der Barmer Theologischen Erklärung.
Der Bruderrat gilt bis heute vielfach als die im Wettstreit der Ekklesiologien progressivere und theologisch fundiertere, aber unterlegene Gruppe. Die Sitzungsprotokolle und die sie ergänzenden Dokumente ermöglichen es nun erstmals, dieses Urteil über die Keimzelle des sogenannten Linksprotestantismus kritisch im Kontext der ersten Nachkriegsjahre und ihrer kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Weichenstellungen zu prüfen.

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 93

Jungwirth, Leonhard: Politische Vergangenheiten. Der österreichische Protestantismus in den Jahren 1933/34 bis 1968

Der rasante Wechsel dreier politischer Systeme in den Jahren 1933/34 bis 1945 brachte für die Evangelische Kirche in Österreich vielfältige Herausforderungen mit sich. Mit ihrem Ruf, eine „Nazikirche“ zu sein, musste sie sich ab 1945 ihrer jüngsten Vergangenheit stellen. Das verlief, insbesondere ab dem Generationenkonflikt ‚1968‘, keineswegs konfliktfrei. In einer ersten umfassenden Darstellung der österreichischen Protestantismusgeschichte der Jahre 1933/34 bis 1968 fragt Leonhard Jungwirth nicht nur nach den generationenspezifischen Modi evangelisch-österreichischer Vergangenheitsbewältigung. Auch die Geschichte des österreichischen Protestantismus in ‚Ständestaat‘ und Nationalsozialismus wird im Lichte bislang unbearbeiteter Quellen und aktueller Fragestellungen neu erarbeitet.