Laufende Forschungsprojekte

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Evangelische Auslandsgemeinden im 20. Jahrhundert

Die globalen Migrationsbewegungen der Gegenwart und die Beobachtung, dass Deutschland in den letzten Jahren zum Ziel für Einwanderung aus aller Welt geworden ist, haben den Blick dafür geschärft, dass Deutschland über Jahrhunderte selbst ein Auswanderungsgebiet war und die Geschichte vieler Deutscher von Emigration, Flucht und Exil geprägt war. Daraus ergeben sich auch für die bislang überwiegend national orientierte kirchenhistorische Forschung zum deutschen Protestantismus neue Perspektiven. Mit dem Thema „evangelischen Auslandsgemeinden“ rückt erstmals ein kircheninstitutionelles Thema in den Horizont der Globalgeschichte.

Dabei stellen sich folgende Fragen:
- Wie verhielten sich evangelische Auslandsgemeinden zu den beiden Weltkriegen und zum Nationalsozialismus?
- Wie gestaltete sich ihr Umgang mit der NS-Vergangenheit?
- Wie äußerte und entwickelte sich das Verhältnis zu Deutschland nach dem Krieg (Verselbstständigung, „Verkirchlichung“, Verhältnis zur EKD)?
- Wann und warum kam es zu Prozessen der Akkulturation im Gastland und wie gestalteten sie sich?

Ein erster Versuch, diese Fragen zu beantworten, wurde auf der interdisziplinären Tagung der EvAKiZ im Juni 2018 in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut in London unternommen. Hier zeigte sich, dass eine zukünftige Forschung zum Thema „Auslandsgemeinden“ nur multiperspektivisch, vergleichend und transnational angelegt sein kann. Die Vergleichbarkeit der oft sehr unterschiedlichen Gemeindetypen könnte durch einen Katalog von jeweils zu ermittelnden Parametern wie „praktizierte Theologie“, „Rolle der Sprache“, „soziale, generationelle und geschlechtliche Zusammensetzung der Gemeinden“ und „Netzwerke“ gesichert werden. Ein solcher Ansatz ist nur durch einen international und interdisziplinar zusammengesetzten Verbund dezentral arbeitender Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu verwirklichen.

Mögliche Quellen sind Gemeindearchive, Archive von kirchlichen Zusammenschlüssen und Verlagen vor Ort sowie Sammlungen, Nachlässe und Personalakten von Auslandspfarrern und Pfarrerinnen in den landeskirchlichen Archiven und im Evangelischen Zentralarchiv.


Publikationen

• Andreas Gestrich / Siegfried Hermle / Dagmar Pöpping (Hg.): Evangelisch und deutsch? Auslandsgemeinden im 20. Jahrhundert zwischen Nationalprotestantismus, Volkstumspolitik und Ökumene. Göttingen 2021..

• Daniel Lenski: ‚Die Kirche unserer Väter‘. Deutschtumskonstruktionen in der Chile-Synode und der Deutschen Evangelischen Kirche in Chile. Göttingen 2021..

• Jan Lohrengel: Eine evangelische Auslandsgemeinde im Kontext nationalsozialistischer Machtpolitik – das Beispiel Istanbul (erscheint 2021 in der B-Reihe der AKiZ).

Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte

Die Zeitschrift beschäftigt sich mit der Entwicklung des deutschen und internationalen Protestantismus im 20. Jahrhundert und somit mit der Genese der Gegenwart und ihren Herausforderungen. Sie enthält Aufsätze, Bibliographien, Forumsbeiträge, Projekt- und Tagungsberichte sowie Nachrichten über zeitgeschichtliche Aktivitäten in den Landeskirchen und andernorts.

Inhalt Heft 16 (2022)

Aufsätze
Kein Platz für Abraham und Mose in Gottes Haus. Die systematische ‚Entjudung‘ der Thüringer Kirchenräume in der NS-Zeit
Michael Weise

Diskrete ‚Entjudung‘. Theorie und Praxis antisemitischer Umgestaltungen von Kirchenräumen am Beispiel der Eisenacher Georgenkirche (1939–1940)
Jochen Birkenmeier

Die Denkschrift „Wehrbeitrag und christliches Gewissen“. Eine Zäsur im Ringen um die protestantische Debattenhoheit in der Wiederbewaffnungsfrage
Hendrik Meyer-Magister

Vom Tübinger Memorandum zu den Ostverträgen: Kirchlich-politische Dissonanzen
Klaus Fitschen

Buchpräsentation
Neue Publikationen zum bayerischen Landesbischof Hans Meiser und zur Geschichte des bayerischen Protestantismus in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft
Christiane Kuller

Forschungsberichte
Deutsche Christen als „Christen der Zukunft“? Kontinuität und
Diskontinuität des Nationalprotestantismus in Westdeutschland
von 1945 bis in die 1970er Jahre
Marvin Becker

Hermann Dörries (1895–1977) – Ein Kirchenhistoriker im Wandel
der politischen Systeme Deutschlands
Aneke Dornbusch

Westdeutscher Protestantismus und Nahostkonflikt. Eine Untersuchung theologischer und politischer Deutungsmuster 1967–1989
Verena Susanne Mildner-Misz

Gewerkschaften und Kirche im gesellschaftlichen Wandel. Das Verhältnis von gewerkschaftlicher Politik und Protestantismus (1960er bis 1980er Jahre)
Dimitrij Owetschkin

Die „Offene Arbeit“ Thüringer Prägung in der DDR zwischen SED-Staat und Kirche 1968 bis 1989
Christiana Steiner

Tagungsbericht
Martin Niemöller und seine internationale Rezeption – Martin Niemöller and his international reception
Michael Heymel

Nachrichten
Nachrichten aus der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte
Nachrichten aus Kirchengeschichtlichen Vereinigungen


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Publikationsdatum dieser Seite: Montag, 20. Juni 2022 11:09