Laufende Forschungsprojekte

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Zwischen Antiziganismus und Bürgerrechtsbewegung – Die evangelischen Kirchen in Deutschland und ihr Umgang mit Sinti und Roma im 20. Jahrhundert

Die historische Forschung hat in den letzten Jahren verstärkt auf einzelne Opfergruppen des Nationalsozialismus geblickt und gefragt, wie sich die Kirchen und die akademische Theologie im interdisziplinären Austausch mit anderen Wissenschaften gegenüber diesen Gruppen vor 1933, während der Zeit des Nationalsozialismus und nach 1945 verhalten haben. Für die letztgenannte Phase sind die Themen Entschädigung, kirchliche Reaktionen auf neue politische oder gesellschaftliche Diskriminierungen, Wandlung des kirchlich-gesellschaftlichen Bildes dieser Gruppen und kirchliches Engagement für diese innerhalb der Bürgerrechtsbewegung der Bundesrepublik Deutschland („Anwalt der Stummen“) zu nennen.

Anders als bei Juden, Kranken und Behinderten, Homosexuellen, Zwangsarbeitern oder in kirchlichen Heimen Untergebrachten ist das Verhalten des Protestantismus gegenüber Sinti und Roma als NS-Opfern noch nicht in den Blick genommen worden. Dieses Forschungsfeld bedarf dringend einer quellengestützten Aufarbeitung, frei von Verdachtshermeneutik und apologetischen Tendenzen.

Zu fragen ist primär:

- nach dem Bild der Sinti und Roma in der Theologie und in der kirchlichen Publizistik;

- nach der Stellung der Sinti und Roma innerhalb der rassen- und biopolitischen Diskurse in Theologie und Kirche. Wurden sie als eigenständige Gruppe wahrgenommen? In der Forschung wird zwischen Antisemitismus und Antiziganismus nur selten differenziert;

- seit wann, wie und aus welchen Motiven Kirche und Diakonie zu Unterstützern der Sinti und Roma wurden;

- welche Angebote Kirche und Diakonie für Sinti und Roma entwickelten;

- welches Bild die kirchliche Bildungsarbeit von Sinti und Roma zeichnet.

Das Projekt kann sich stützen auf die Aktenüberlieferung in landeskirchlichen Archiven, im Evangelischen Zentralarchiv (Berlin), im Archiv des Diakonischen Werkes (Berlin) sowie in den Innen- und Sozialministerien des Bundes und der Länder.

 

Bearbeiter: Dr. Karl-Heinz Fix

 

Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte

Die Zeitschrift beschäftigt sich mit der Entwicklung des deutschen und internationalen Protestantismus im 20. Jahrhundert und somit mit der Genese der Gegenwart und ihren Herausforderungen. Sie enthält Aufsätze, Bibliographien, Forumsbeiträge, Projekt- und Tagungsberichte sowie Nachrichten über zeitgeschichtliche Aktivitäten in den Landeskirchen und andernorts.

Inhalt Heft 15/2021

Aufsätze
„Das bedeutet für uns Umwälzung und Katastrophe“. Die Evangelische Kirche und die Einführung des „Judensterns“ im September 1941
Siegfried Hermle

Das österreichisch-protestantische Opfernarrativ und seine Wandlungen im Laufe des 20. Jahrhunderts. Eine Studie zu evangelischer Erinnerungskultur und Geschichtspolitik am Beispiel des oberösterreichischen Bauernkriegs von 1626
Leonhard Jungwirth

1961: Die Kirchen zum Eichmann-Prozess
Thomas Brechenmacher 

Evangelische Seelsorgerinnen und Fürsorgerinnen im Strafvollzug der SBZ und der frühen DDR (1945-1955)
Stefanie Siedek-Strunk

Die Ehe ist ein ethisch‘ Ding? - Die Evangelische Kirche in den Aushandlungsprozessen um die gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland
Sabine Exner-Krikorian


Dokumentation
Christliche Sinnstiftung im Vernichtungskrieg. Wie deutsche Kriegspfarrer 1941 den Angriff auf die Sowjetunion erlebten und deuteten
Dagmar Pöpping


Literaturbericht
Quellensammlungen zur Geschichte der Landeskirchen in der NS-Zeit (mit besonderer Berücksichtigung Bayerns)
Karl-Heinz Fix

Forchungsberichte
Evangelische Frauenordination im geteilten Deutschland
Carlotta Israel

Theologische Existenz zwischen den Fronten. Gerhard Gloege in den politischen und kirchenpolitischen Konflikten seiner Zeit (1946—1961)
Maximilian Rosin

Kirchliche Publizistik in der DDR. Die Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ 1946—1989
Karl-Christoph Goldammer

Zwischen „Datengott“ und „Datenaskese“. Bundesdeutscher Protestantismus und elektronische Datenverarbeitung (EDV)
Johann Meyer

Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland. Semantiken, Praktiken, Emotionen in der westdeutschen Gesellschaft 1965-1989/90
Andreas Holzem / Frank Kleinehagenbrock

Nachrichten
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Nachrichten aus Kirchengeschichtlichen Vereinigungen


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Publikationsdatum dieser Seite: Freitag, 18. Juni 2021 09:11