Zum Inhalt der Neuerscheinungen

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 71
Scherf, Rebecca: Evangelische Kirche und Konzentrationslager (1933 bis 1945)

Um das Verhältnis der evangelischen Kirche zum KZ-System zwischen 1933 und 1945 darzustellen, untersucht Rebecca Scherf wesentliche Aspekte, die dieses Verhältnis charakterisieren: die Seelsorgetätigkeit der evangelischen Kirche, die inhaftierten Geistlichen, ihre Hafterfahrungen sowie die Reaktionen auf ihre Verhaftungen. Zur Analyse der Seelsorgetätigkeit wurden Quellen aus den frühen Jahren der NS-Diktatur herangezogen, die das Herausdrängen kirchlicher Einflussmöglichkeiten innerhalb des KZ-Systems durch den Staat bezeugen, das 1937 in einem für die damalige evangelische Kirche unverständlichen Seelsorgeverbot gipfelte.Bereits im März 1933 wurde der erste evangelische Pfarrer in KZ-Haft genommen, bis März 1945 waren es insgesamt 71. In einem Überblick dokumentiert Scherf erstmals alle in den KZs inhaftierten Pfarrer, Vikare und Pfarrverwalter nach landeskirchlicher Zugehörigkeit, Verhaftungszeitpunkt und Inhaftierungsgrund. Zeitlich liegt ein Schwerpunkt auf den Jahren 1935 und 1941/42 mit den meisten Inhaftierungen. Die Inhaftierungsgründe sowie die Reaktionen von institutioneller und gemeindlicher Seite in jenen Jahren spiegeln dabei das sich wandelnde Verhältnis von Staat und evangelischer Kirche wieder. Die lokale Priorität liegt auf den Lagern Sachsenburg und Dachau, in die die meisten Geistlichen verschleppt wurden. Hierbei konnte die Autorin auf der Grundlage von Tagebucheinträgen und Predigten erstmals das protestantische Leben der Geistlichen im Dachauer Pfarrerblock rekonstruieren. Wenige der 71 Geistlichen hielten ihre erlebte KZ-Haft nach ihrer Entlassung schriftlich in einem autobiographischen Bericht fest. Acht dieser Aufzeichnungen untersuchte Scherf, um persönlichen Erfahrungen und theologischen Deutungshorizonten der erlebten KZ-Haft nachzugehen. Den Abschluss bildet der Blick auf die Auswirkungen der KZ-Haft für das Selbstbild und die Fremdwahrnehmung der Bekennenden Kirche nach 1945.

Die Arbeit wurde mit dem Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis 2018 ausgezeichnet.

Die Autorin:
Dr. theol. Rebecca Scherf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kirchengeschichte II der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU München.

 

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 68
Pelz, Birge-Dorothea: Revolution auf der Kanzel. Politischer Gehalt und theologische Geschichtsdeutung in evangelischen Predigten während der deutschen Vereinigung 1989/90 

Birge-Dorothea Pelz schreibt Kirchengeschichte aus der Sicht von Pastoren. Auf Basis zumeist unveröffentlichter Sonntagspredigten wird gezeigt, welche Rolle die evangelische Kirche in den drei Nordbezirken der DDR 1989/90 einnahm. Wie wurden politische Ereignisse theologisch gedeutet? Welche politischen Schlussforderungen wurden gezogen? In welchem Verhältnis standen Alltagsbezüge und biblisches Wort in der Verkündigung? Und wie wurden die rasanten Ereignisse retrospektiv beurteilt und mit dem eigenen Glauben in Einklang gebracht? Das Ergebnis ist ein fundierter Eindruck davon, was Pastoren 1989/90 politisch dachten, glaubten und predigten und wie diese überzeugungen bis in die Gegenwart hinein transportiert und transformiert wurden. So bleibt die Betrachtung nicht bei der deutschen Einheit stehen, sondern die fortdauernde Wirkung der Zäsur von 1989/90 für das kirchliche Selbstverständnis in Norddeutschland wird untersucht: Welche Rolle nehmen die Ereignisse von 1989/90 in Predigten und Texten der vergangenen 25 Jahre ein? Inwiefern veränderten sich die Deutungen der friedlichen Revolution? Welche Rolle spielt das Wendejahr in der Identität der evangelischen Kirchen heute?

Die Autorin:

Dr. theol. Birge-Dorothea Pelz ist Vikarin in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Nordwestdeutschland. 

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/theologie-und-religion/kirchengeschichte/6633/revolution-auf-der-kanzel

 

Christentum und Zeitgeschichte 3
Fitschen, Klaus: Liebe zwischen Männern? Der deutsche Protestantismus und das Thema Homosexualität

Erst mit dem gesellschaftlichen Wandel nach 1945 und speziell seit den 1960er Jahren konnte über das Thema Homosexualität in Kirche und Gesellschaft offen gesprochen werden. Ab den 1970er Jahren meldeten sich dann die "Betroffenen" selbst zu Wort. Dabei ist im deutschen Protestantismus ein Prozess von der Stigmatisierung von Homosexuellen als krank oder seelsorgebedürftig über ihre Akzeptanz als andersartig bis hin zu einem pragmatischen Umgang mit der Thematik zu beobachten. Freilich überlagern sich diese Entwicklungen, sodass sich keine reibungslose Geschichte einer Korrelation zwischen gesellschaftlicher und innerkirchlicher Entwicklung ergibt. Dabei spielen auch das kirchliche Dienstrecht und die Frage gleichgeschlechtlicher Trauungen eine wichtige Rolle. Die Prozesse dieses ethischen Umdenkens stellt Klaus Fitschen kundig und eindrücklich dar.

Der Autor:
Dr. theol. Klaus Fitschen ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Leipzig.

https://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p4500_Liebe-zwischen-Maennern-.html
 

Christentum und Zeitgeschichte 2
Albrecht-Birkner, Veronika: Freiheit in Grenzen. Protestantismus in der DDR

In dem Vierteljahrhundert seit dem Ende der DDR ist auch über den Protestantismus in der DDR viel geschrieben worden. Im Zuge dessen ist es zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. Sie reichen von sehr positiven Würdigungen vor allem angesichts der Rolle in der Friedlichen Revolution von 1989 bis zum Vorwurf vollständiger Anpassung an den DDR-Staat. Die zeitliche Nähe zum Geschehen bringt es mit sich, dass auch verschiedene damalige Akteure an den Deutungen der Geschichte nach wie vor beteiligt sind.
Der Band bietet einen knappen, allgemeinverständlichen Überblick über Phasen der Entwicklung und zentrale Themen des Protestantismus in der DDR unter Einbeziehung der Rezeptionsgeschichte. Dabei geht es um strukturelle und theologische Merkmale, die sich innerhalb der vom DDR-Staat gezogenen Grenzen - der äußeren wie der ideologischen - und ihnen zum Trotz auch unter der Signatur der Freiheit entfalteten.

Die Autorin:
Dr. theol.Veronika Albrecht-Birkner ist Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Siegen.

https://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p4378_Freiheit-in-Grenzen.html&XTCsid=23f17b93f7991e63c038a2f2d9f0b6d0

 

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 72
Teuchert, Felix: Die verlorene Gemeinschaft. Der Protestantismus und die Integration der Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft 1945-1972

Die Integration von 8 Millionen Vertriebenen erschütterte den Protestantismus fundamental. Unterschiedliche Frömmigkeitskulturen prallten in den Kirchengemeinden schroff aufeinander. Die verschiedenen innerprotestantischen Bekenntnisse sorgten für beträchtlichen Konfliktstoff. Felix Teuchert fragt nach den Integrationskonzepten, die im Protestantismus diskutiert wurden, und danach, was die Gesellschaft im Innersten zusammenhielt. Schließlich analysiert Teuchert die Netzwerke zwischen Politik und Kirche und das Handeln protestantischer Akteure in der Vertriebenenpolitik. Dabei nimmt er auch Rolle und Einfluss von Religion im politischen Prozess in den Blick.

Der Autor:
Dr. phil. Felix Teuchert ist Archivreferendar am Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Die Arbeit entstand im Rahmen der DFG-Forschergruppe "Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik".

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/theologie/kirchengeschichte/14601/die-verlorene-gemeinschaft


Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 69
Schwarz, Peter Paul: Mitöffentlichkeit. Zur deutsch-deutschen Arbeit der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg

Im Mittelpunkt dieser beziehungsgeschichtlichen Darstellung steht die Geschichte der deutsch-deutschen Arbeit der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg seit ihrer Gründung 1951 bis Ende der 1970er- bzw. Anfang der 198oer-Jahre. Sie umfasste den literarischen Bereich, das Thema der Vergangenheitsbewäl­tigung und den christlich-jüdischen Dialog als wichtigen Teil der NS-Auseinandersetzung. Als christlicher Akteur erzeugte die Akademie durch ihre jahrzehntelange Arbeit eine besondere Form von Öffentlichkeit, nämlich Mitöffentlichkeit, die hier erstmals dargestellt wird und Vorstellungen von Öffentlichkeit in der DDR differenziert.

Der Autor:
Dr. phil. Peter Paul Schwarz ist Ausstellungsassistent bei der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig und Mitglied im Deutschen Museumsbund.

http://www.v-r.de/de/mitoeffentlichkeit/t-1/1039017/
 

Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe B: Darstellungen Band 70
Schramm, Luise: Evangelische Kirche und Anti-AKW-Bewegung. Das Beispiel der Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion im Konflikt um das AKW Brokdorf 1976-1981. Göttingen 2018.

Wie agierten kirchliche Akteure im Spannungsfeld von Anti-AKW-Bewegung einerseits und institutionalisierter Kirche andererseits? Diese Frage untersucht die Autorin in ihrer Studie exemplarisch anhand der "Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion" (HIkMuGA) im Konflikt um das Atomkraftwerk Brokdorf.Sie erschließt die Geschichte dieser kirchlichen Basisgruppe seit ihrer Entstehung im Zusammenhang mit den Großdemonstrationen gegen den Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf bis zur Großdemonstration im Frühjahr 1981 und legt sowohl den Diskussionsprozess als auch die Debatten um die Aktionsweise innerhalb der Anti-AKW-Bewegung dar. Weiterhin gibt sie einen tieferen Einblick in die Geschichte des von der HIkMuGA angestoßenen Stromzahlungsboykottes und untersucht, inwieweit die Diskussionen um die Atomenergie durch die HIkMuGA-Pastoren in die Gemeindearbeit, in Gottesdienste und auf Kirchentagen eingebracht wurden. Ausführlich widmet sie sich der Besetzung der Kirche St. Petri in Hamburg, an der auch HIkMuGA-Pastoren beteiligt waren, und schildert die beginnende Institutionalisierung der Umweltverantwortung in der Nordelbischen Kirche mit der Einsetzung des hauptamtlichen Umweltbeauftragten. Ein geschichtlicher Ausblick auf die Proteste gegen das AKW Brokdorf 1986 und den in dieser Zeit entstandenen sechs Blockaden, die von der Solidarischen Kirche, in die die HIkMuGA aufgegangen ist, getragen wurden, schließt die Darstellung ab.

Die Autorin:
Dr. theol. Luise Schramm ist Pfarrerin der Ev.-luth. Kirchgemeinde Bad Schandau in der Sächsischen Landeskirche.

http://www.v-r.de/de/evangelische_kirche_und_anti_akw_bewegung/t-1/1093446/
 

Christentum und Zeitgeschichte 1
Schneider, Thomas Martin: Wem gehört Barmen? Das Gründungsdokument der Bekennenden Kirche und seine Wirkungen. Leipzig 2017.

Die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die 'Magna Charta' der Bekennenden Kirche, gehört zu den bekanntesten kirchlichen Texten des 20. Jahrhunderts. Ihre Wirkungsgeschichte ist schillernd, weil sie zur Legitimierung unterschiedlichster Anliegen in Anspruch genommen worden ist. Der Band beleuchtet in knapper, allgemeinverständlicher Weise sowohl die Vorgeschichte und den Inhalt als auch die bunte Rezeptionsgeschichte der Erklärung.

Der Autor: 
Dr. theol. Thomas Martin Schneider ist apl. Professor und Akademischer Direktor am Institut für Evangelische Theologie der Universität Koblenz-Landau.

http://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p4223_Wem-gehoert-Barmen-.html
 



 
Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte
Titel-2018

Darin: 
Protestantische Auseinandersetzungen mit dem sozialistischen Menschenbild in der DDR
Veronika Albrecht-Birkner 

Die Anti-Baby-Pille und die Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren
Gisa Bauer 

"Anfänge neuen Lebens" - Gottesdienste der Anti-AKW-Bewegung
Luise Schramm 

Predigen im KZ - Evangelische Lagerpredigten und ihr Widerstandspotential
Rebecca Scherf 

Die Abkehr vom Konkordat - neue kirchenpolitische Weichenstellungen nach der Eingliederung Österreichs 1938
Gertraud Grünzinger

Inhalt der Mitteilungen zur Kirchlichen Zeitgeschichte 2007 bis 2018


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Publikationsdatum dieser Seite: 2018-12-06